AKTUELLES
Der Gang des Strafverfahrens – Das Hauptverfahren

Im letzten Artikel wurde das Ermittlungsverfahren umfassend thematisiert. Wird demnach gegen den Angeschuldigten von der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben und das Gericht lässt diese zu, beginnt das nachfolgende Hauptverfahren.

 

Das Hauptverfahren ist der entscheidende Abschnitt des Strafverfahrens, in dem der Sachverhalt und die Schuld des Angeklagten in einer oder mehreren mündlichen Verhandlungen endgültig geklärt werden. Beteiligte jener Hauptverhandlung sind neben dem zwingend anwesenden Angeklagten, der erkennende Richter, der anklagende Staatsanwalt sowie ein eventueller Strafverteidiger des Angeklagten. Letztgenannter ist dem Angeklagten von Gesetz wegen immer dann zuzuordnen, wenn die Gefahr einer Freiheitsstrafe droht.

 

Der Ablauf einer Hauptverhandlung ist streng durchstrukturiert und beginnt mit dem Aufruf der Sache und der Feststellung durch das Gericht, dass alle Verfahrensbeteiligten, u.a. auch Zeugen, anwesend sind.

 

Bevor die Sache sodann inhaltlich verhandelt wird, muss die Identität und die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten festgestellt werden. Dazu wird der Angeklagte zu seiner Person vernommen.

 

Ist geklärt, dass der richtige Beschuldigte auf der Anklagebank sitzt, verliest der Staatsanwalt die Anklageschrift – somit das, was dem Angeklagten konkret vorgeworfen wird.

 

Im Anschluss daran, wird der Angeklagte zur Sache befragt. Dieser kann demnach die Tat gestehen, sie bestreiten oder von seinem Schweigerecht Gebrauch machen. Welche Variante die Sinnvollste ist, wird im Idealfall zuvor mit dem Verteidiger ausgiebig besprochen.

 

Danach beginnt das Kernstück der Hauptverhandlung, die Beweisaufnahme, in der hauptsächlich Zeugen und ggf. Sachverständige von allen Verfahrensbeteiligten befragt werden können. Des Weiteren werden Urkunden und sonstige Beweismittel vorgetragen und verwertet. Die Leitung obliegt dem Gericht, welches jederzeit eingreifen kann und unzulässige Fragen oder Beweisanträge zurückweisen kann.

 

Ist die Beweisaufnahme beendet, folgen die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, in denen eine bestimmte Strafe bzw. ein Freispruch beantragt werden. Das letzte Wort gehört dem Angeklagten.

 

Anschließend zieht sich das Gericht zur Beratung zurück und verkündet dann das Urteil mit den zugrunde liegenden Gründen, wieso es so entschieden hat. Zu guter Letzt erfolgt die Rechtsmittelbelehrung und die Sitzung wird geschlossen.

 

 

René Mann

Rechtsanwalt

c/o Kahl-Stoof Rechtsanwälte, Ludwigsfelde 03378.801935

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